Benutzlon-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


geschlechtsneutrale_artikelwörter_und_adjektiv-endungen

Geschlechtsneutrale Artikelwörter und Adjektiv-Endungen

Es gibt verschiedene Vorschläge dazu, wie die deutsche Sprache um aussprechbare geschlechtsneutrale Artikelwörter und Adjektiv-Endungen erweitert werden könnte. Häufig kommen diese Vorschläge in Kombination mit einem Vorschlag für ein geschlechtsneutrales Pronomen und eine geschlechtsneutrale Substantiv-Endung. Zum Beispiel macht das Del-On-Sel-System zusätzlich zu dem Vorschlag, del/derl/derl/del und einel/einerl/einerl/einel als geschlechtsneutrale Artikel und -el/-erl/-erl/-el als geschlechtsneutrale Adjektiv-Endungen zu verwenden, auch noch den Vorschlag, sel/serl/serl/sel als geschlechtsneutrales Personalpronomen und -on als geschlechtsneutrale Substantiv-Endung zu verwenden.

In der Facebook-Gruppe Geschlechtsneutrales Deutsch gibt es Bestrebungen dazu, zu einer Konsens-Lösung kommen können, die von möglichst vielen an geschlechtsneutraler Sprache interessierten Personen getragen wird, und die wir dann gemeinsam nach außen tragen können, damit möglichst viele Menschen von dem Lösungsvorschlag erfahren. Dabei scheint es sinnvoll, sich zuerst auf eine Lösung für das Problem geschlechtsneutraler Artikelwörter und Adjektiv-Endungen zu konzentrieren, und erst danach eine Entscheidung zu dem geschlechtsneutralen Personalpronomen und zu der geschlechtsneutralen Substantiv-Endung zu treffen.

Aus diesem Grund werden auf dieser Seite die verschiedenen Vorschläge für geschlechtsneutrale Artikelwörter und Adjektiv-Endungen vogestellt und verglichen, ohne dass dabei auf zugehörige Personalpronomen und Substantiv-Endungen eingegangen wird.

Für die Beispiele wird aber auch ein geschlechtsneutrales Substantiv benötigt, wofür hier das Substantiv Elter verwendet wird, das eine geschlechtsneutrale Alternative zu Mutter/Vater ist. Das Wort Elter wird schon seit einigen Jahrzehnten in der Entwicklungspsychologie und Genetik verwendet, dort allerding meistens im Neutrum (das Elter) oder Maskulinum (der Elter). Auf dieser Seite wird es hingegen in Kombination mit vorgeschlagenen geschlechtsneutralen Deklinationssysteme für Artikelwörter und Adjektiv-Endungen verwendet. Im Beispieltext wird außerdem noch das Wort Geschwister in der Einzahl verwendet. Anders als die übliche Mehrzahl-Form „die Geschwister“ ist die Einzahl-Form „das Geschwister“ genauso wie „Elter“ nur in der Fachsprache verbreitet, und genauso wie „Elter“ verwenden wir es hier in Kombination mit vorgeschlagenen geschlechtsneutralen Deklinationssysteme für Artikel und Adjektiv-Endungen.

Zur systematischen Benennung der vorgeschlagenen Deklinationssysteme wird die Deklination des bestimmten Artikels in den vier grammatikalischen Fällen verwendet, z.B. del/derl/derl/del-System für das Deklinationssystem des Del-On-Sel-Systems.

Um den Vergleich der vorgeschlagenen Deklinationssysteme mit dem traditionellen Deklinationssystem im Maskulinum, Femininum und Neutrum zu erleichtern, werden hier erst einmal die traditionellen Deklinationstabellen vorgestellt:

Maskulinum
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? der nette Vater ein netter Vater jeder
Wessen? des netten Vaters eines netten Vaters jedes
Wem? dem netten Vater einem netten Vater jedem
Wen? den netten Vater einen netten Vater jeden
Femininum
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? die nette Mutter eine nette Mutter jede
Wessen? der netten Mutter einer netten Mutter jeder
Wem? der netten Mutter einer netten Mutter jeder
Wen? die nette Mutter eine nette Mutter jede
Neutrum
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? das nette Kind ein nettes Kind jedes
Wessen? des netten Kindes eines netten Kindes jedes
Wem? dem netten Kind einem netten Kind jedem
Wen? das nette Kind ein nettes Kind jedes

Bei jedem System ist eine Liste von Vor- und Nachteilen des Systems aufgeführt. Hierbei wurde versucht, möglichst neutral die Vor- und Nachteile der verschiedenen Vorschläge für geschlechtsneutrale Deklinationssysteme zu beschreiben.

Jedes System ist natürlich für uneingeweihte erst einmal ungewöhnlich, so dass dieser Aspekt nicht immer wieder als Nachteil aufgeführt wird. Es geht bei den Nachteilen also um jene Aspekte, die dazu führen könnten, dass sich die Gewöhnungsphase schwieriger gestaltet als bei anderen Systemen, oder dass das System es schwieriger als andere Systeme haben könnte, auf breite Akzeptanz zu stoßen.

Wer sich gerne mit anderen an diesem Thema interessierten Personen über geschlechtsneutrale Deklinationssysteme für die deutsche Sprache austauschen will, kann dafür der Facebook-Gruppe Geschlechtsneutrales Deutsch beitreten.

del/derl/derl/del-System

Dies ist das Deklinationssystem des Del-On-Sel-Systems. Es orientiert sich an dem traditionellen Deklinationssystem der femininen Formen, wobei allerdings die femininen Endungen -e und -er durch -el bzw. -erl ersetzt werden.

del/derl/derl/del-System
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? del nettel Elter einel nettel Elter jedel
Wessen? derl netten Elter einerl netten Elter jederl
Wem? derl netten Elter einerl netten Elter jederl
Wen? del nettel Elter einel nettel Elter jedel

Direkte Anrede: Liebel Kim

Beispieltext: Für mich war das Outing meinerl jüngsten Geschwister Kim ein prägendes Ereignis: Mit 17 Jahren hat sich Kim mir gegenüber als nichtbinär geoutet. Kim ist del einzigel meiner Geschwister, derl ich alles anvertrauen kann. Ich bin sehr froh darüber, dass ich meinel Geschwister bei diesem Prozess unterstützen konnte. Am besten wäre es natürlich, wenn es eine Selbstverständlichkeit wäre, derl eigenen Geschwister in einer solchen Situation zu helfen, aber leider kenne ich aus anderen Familien auch Beispiele dafür, dass das nicht immer so läuft.

Vorteile des del/derl/derl/del-Systems

  • Alle Formen, die sich im Maskulinum und Femininum voneinander unterscheiden, unterscheiden sich im del/derl/derl/del-System sowohl von der maskulinen als auch von der femininen Form. Dadurch sind die Formen des del/derl/derl/del-Systems in allen Fällen eindeutig als geschlechtsneutrale Formen erkennbar.
  • Die Endungen von Artikeln und Adjektiven lassen sich durch ein sehr leicht erlernbares Prinzip von den Endungen des Femininums ableiten: An die femininen Endungen „-e“ und „-er“ wird ein „-l“ angehängt, und das Wort „die“ durch „del“ ersetzt. Diese Eigenschaft macht das System vergleichsweise leicht erlernbar.
  • Das System verwendet nur normale Buchstaben, die dabei nur in solchen Kombinationen und Wortpositionen gebraucht werden, in denen sie in schon existierenden deutschen Wörtern üblich sind. Dadurch bereitet die Aussprache keine für deutschsprachige Personen ungewöhnliche Hürden.

Nachteile des del/derl/derl/del-Systems

  • Manche Leute erinnert der Gebrauch der Endung „-el“ an die rassistische Imitation eines chinesischen Akzentes, was eine Hürde auf dem Weg zur breiteren Akzeptanz des Systems werden könnte. (Andererseits hängt diese Empfindung wohl auch stark damit zusammen, dass die Endung „-el“ als grammatikalische Endung ungewöhnlich ist, so dass es gut sein kann, dass diese Empfindung bei den meisten Leuten nach der Gewöhnung an das System schnell abnimmt.)
  • Ordinalzahlen wie „dritte“/„dritter“, „vierte“/„vierter“ usw. werden im del/einel/sel-System zu „drittel“, „viertel“ usw, was zu einer Verwechslungsgefahr mit den entsprechenden Brüchen führen kann. (In den meisten Situationen hilft allerdings schon der grammatikalische Kontext dabei, diese Verwechslungsgefahr auszulöschen, da es z.B. bei der substantivierten Ordinalzahl „del Drittel“ heißt, wohingegen es beim Bruch „das Drittel“ heißt. In den seltenen Fällen, in denen der grammatikalische Kontext allein nicht reicht, um diese Verwechslung auszuschließen, hilft meistens der inhaltliche Kontext.)
  • Die Buchstabenkombination „-erl“ kommt im Hochdeutschen bisher nur relativ selten am Wortende vor, z.B. im Wort „Kerl“. Der Gebrauch dieser Buchstabenkombination als unbetonte grammatikalische Endung könnte daher einigen Leuten Schwierigkeiten bei der Aussprache bereiten.

dee/ders/ders/dee-System

Dies ist das Deklinationssystem des g-Genus. Auch dieses System orientiert sich eher am Femininum, wobei die schwachen Adjektiv-Endungen den traditionellen schwachen Adjektiv-Endungen im Femininum und im Neutrum gleichen (während es im Maskulinum im Wen-Fall eine Abweichung hiervon gibt).

dee/ders/ders/dee-System
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? dee nette Elter einey nette Elter jedey
Wessen? ders netten Elter einers netten Elter jeders
Wem? ders netten Elter einers netten Elter jeders
Wen? dee nette Elter einey nette Elter jedey

Hinweis: -ey wird [ei] ausgesprochen, wie „Ey!“ und „Hey!“.

Direkte Anrede: Liebey Kim

Beispieltext: Für mich war das Outing meiners jüngsten Geschwister Kim ein prägendes Ereignis: Mit 17 Jahren hat sich Kim mir gegenüber als nichtbinär geoutet. Kim ist dee einzige meiner Geschwister, ders ich alles anvertrauen kann. Ich bin sehr froh darüber, dass ich meiney Geschwister bei diesem Prozess unterstützen konnte. Am besten wäre es natürlich, wenn es eine Selbstverständlichkeit wäre, ders eigenen Geschwister in einer solchen Situation zu helfen, aber leider kenne ich aus anderen Familien auch Beispiele dafür, dass das nicht immer so läuft.

Vorteile des dee/einey/hen-Systems

  • Da das Femininum das variantenärmste Genus im Deutschen ist, hat das dee/ders/ders/dee-System (wie auch andere, am Femininum angelehnte Vorschläge) den Vorteil, Gepflogenheiten, wie sie im Deutschen bereits etabliert sind, beibehalten zu können und dabei dennoch die Formenvielfalt gering zu halten. Hierdurch lassen sich in der Anwendung grammatische Unsicherheiten mit einem Vergleich am wohlvertrauten Femininum leicht beseitigen.
  • Die Zugrundelegung des Femininums hat zudem den Vorteil, dass es mit der vereinfachten (Genderstern-)Genderung (siehe weiter unten auf dieser Seite) korrespondiert, sodass Entwicklungsübergänge von der Dreigenderung („einem*r Fahrer*in“) über die vereinfachte Genderung („ein*er Fahrer*in“) hin zu einem geschlechtsneutralen Genus (bspw. „einers Fahrer*in/ Fahreris/ (Del-on-sel-System:) Fahreron“) möglich sind.
  • Bei „dee“, „ders“ sowie den Endungen -ey und -ers handelt es sich um lediglich geringfügige Änderungen bestehender Formen, die aber von diesen genug verschieden sind, um nicht verwechselt werden zu können. „Dee“ als bestimmter Artikel würde sich sogar für feminine und maskuline Formen eigenen („dee Mutter“, „dee Vater“), was ja bspw. im rheinischen Dialekt des Bonn-Köln-Düsseldorfer Raumes zumindest in der Aussprache bereits der Fall ist. „Ders“ ist eine Fusion aus femininem „der“ und maskulinem „des“ und erleichtert in der Anwendung ein Abgleich am Femininum. Hiervon ist auch die Endung -ers abgeleitet. Die Endung -ey stellt eine geringe, aber effektive Modifikation von -e dar. Sie ist neuartig, als es kein deutsches Wort mit dieser Lautung gibt, aber wegen „Ey!“ und „Hey!“ durchaus wohlbekannt. Des Weiteren kann es als Vorteil dieser Endung gesehen werden, dass „-ey“ an die Aussprache des englischen Pronomens „they“ erinnert, welches für den geschlechtsneutralen Sprachgebrauch im Englischen eine wichtige Rolle spielt. „Hen“ ist Lehnwort aus dem Schwedischen, welches den Vorteil hat, dass es bereits von Einigen auch im Deutschen verwendet wird und bereits über eine gewisse Bekanntheit verfügt.
  • Die Endungen und Pronomen lassen sich relativ leicht aussprechen, auch wenn sicherlich die Endung „-ey“ etwas ungewohnt ist.
  • Sie wecken kaum Assoziationen mit anderen Wörtern, auch nicht in anderen Verwendungsformen (bspw. „dee-/dersselben“, „dee-/dersjenige“, „dersen“ (feminin: deren; maskulin: dessen), „niemandey/ -ers“, „jemandey/ -ers“, „welchey/ -ers“, „jeney/ -ers“, „solchey/ -ers“, „manchey/ -ers“, „henserseits“, „hensetwegen“).

Nachteile des dee/einey/hen-Systems

  • Die Parallelen dieses Systems (wie auch anderer Systeme) zum Femininum sowie die vereinzelt größere Ähnlichkeit der Adjektivendungen mit dem Femininum als mit dem Maskulinum (bspw. „einey nette Elter“, „eine nette Frau“, „ein netter Mann“) könnte zu Ablehnung bei einigen Personen führen, insbesondere bei jenen nicht-binären Personen, die auf keinem Fall mit Ausdrücken aus dem Femininum bezeichnet werden wollen. (Da das System jedoch die traditionelle Grundregel beinhaltet, dass Adjektive ohne vorausgehendes (gebeugtes) Artikelwort wie Artikelwörter gebeugt werden (Stichwort: starke Deklination), ist sichergestellt, dass vermeintlich feminine Endungen nur im Zusammenhang mit eindeutig geschlechtsneutralen grammatischen Markern auftreten (bspw. „nettey Elter“, „einey nette Elter“) und somit nicht femininer sind als maskuline und neutrale Adjektive.)
  • Die Tatsache, dass in Wer- und Wen-Fall zwei Artikelendungen verwendet werden („dee“, „einey“) macht dieses System etwas aufwendiger.
  • Die Tatsache, dass der Wem-Fall durch die Endung „-ers“ markiert wird, könnte für manche Leute verwirrend sein, da die Endung „-s“ bisher außer im Wer-Fall und Wen-Fall des Neutrums nur im Wessen-Fall vorkommt.
  • Die Deklination der Adjektive ist etwas anspruchsvoller als im Femininum, weil die Adjektivendungen etwas stärker variieren (feminin: „eine nette Frau“, „nette Frau“; dee/ders/ders/dee-System: „einey nette Elter“, „nettey Elter“; vgl. Maskulinum: „der nette Mann“, „(ein) netter Mann“).
  • Bei der Endung „-ey“ handelt es sich um eine für das Deutsche ungewöhnliche Endung. Bei den wenigen Fremdwörter im Deutschen, die schon auf „-ey“ enden (z.B. „Trolley“ und „volley“), lautet die Aussprache dieser Endung [i], wohingegen in diesem System die Aussprache [​⁠ɛɪ̯⁠]​ orgeschlagen wird, also die Aussprache von „ey“ in den Ausrufen „Ey!“ und „Hey!“ und dem englischen „they“. Da dieser Doppelvokal-Laut auf Deutsch bisher nur bei Fremdwörtern und dort auch nie auf einer unbetonten Endung vorkommt, könnte es manchen Leuten schwerfallen, diesen Laut bei der Aussprache und beim Hören eindeutig von der Endung „-e“ zu unterscheiden.

dier/dies/diem/dien-System

Dieses Deklinationssystem basiert auf den Vorschlägen von Anna Heger, wobei diese zu einem vollständigen Deklinationssystem erweitert wurden, unter anderem indem schwache Adjektiv-Endungen wie im dee/ders/ders/dee-System ergänzt wurden. Die Deklination der Artikel und Pronomen in diesem System orientiert sich am Maskulinum, wobei zur Unterscheidung vom Maskulinum das e in der Endung durch ie oder i ersetzt wird.

dier/dies/diem/dien-System
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? dier nette Elter einir nette Elter jedir
Wessen? dies netten Elters einis netten Elters jedis
Wem? diem netten Elter einim netten Elter jedim
Wen? dien nette Elter einin nette Elter jedin

Direkte Anrede: Liebir Kim

Beispieltext: Für mich war das Outing meinis jüngsten Geschwisters Kim ein prägendes Ereignis: Mit 17 Jahren hat sich Kim mir gegenüber als nichtbinär geoutet. Kim ist dier einzige meiner Geschwister, diem ich alles anvertrauen kann. Ich bin sehr froh darüber, dass ich meinin Geschwister bei diesem Prozess unterstützen konnte. Am besten wäre es natürlich, wenn es eine Selbstverständlichkeit wäre, diem eigenen Geschwister in einer solchen Situation zu helfen, aber leider kenne ich aus anderen Familien auch Beispiele dafür, dass das nicht immer so läuft.

Vorteile des dier/dies/diem/dien-Systems

  • Die Endungen in den vier grammatikalischen Fällen sind an der Deklination des Fragepronomens „wer“ angelehnt, was zur leichteren Erlernbarkeit des Systems beiträgt und aus Sicht der allgemeinen Sprachsystematik vorteilhaft ist.
  • Alle vier grammatikalischen Fälle werden durch die Endungen voneinander unterschieden, so dass Mehrdeutigkeiten aufgrund von nicht unterschiedenen grammatikalischen Fällen ausgeschlossen werden können.
  • Zumindest im Vergleich mit den Systemen, die einen Gebrauch des Gendersternchens in Endungen von Artikeln und Adjektiven vorschlagen, sind die Endungen in diesem System relativ leicht auszusprechen.

Nachteile des dier/einir/xier-Systems

  • Die Tatsache, dass die Deklination im dier/dies/diem/dien-System stark an die Deklination im Maskulinum erinnert, kann dazu führen, dass dieses System als nicht neutral genug wahrgenommen wird. Außerdem kann es dazu führen, dass dieses System als Variation des generischen Maskulinums wahrgenommen wird. Da das generische Maskulinum von den meisten Verfechtern geschlechtsneutraler Sprache abgelehnt wird, könnte diese Eigenschaft des dier/dies/diem/dien-Systems eine Hürde auf dem Weg zur breiteren Akzeptanz des Systems werden.
  • Die Tatsache, dass ein Adjektiv nach den eher ans Maskulinum erinnernde Formen „dien“, „einir“ und „einin“ eine Endung annimmt, die der Endung im Femininum gleicht und sich von der Endung im Maskulinum unterscheidet, könnte dazu beitragen, dass der spontane Gebrauch dieses System nicht so leicht erlernbar ist.
  • Damit sich die Formen „einir“/„einis“/„einim“/„einin“ klanglich eindeutig von „einer“/„eines“/„einem“/„einen“ unterscheiden, müssen sie mit einem geschlossenen i-Laut (also mit einem langen „i“) ausgesprochen werden. Ein solcher i-Laut in einer unbetonten letzten Silbe ist allerdings im Deutschen sehr ungewöhnlich, so dass er einigen Leuten Schwierigkeiten bei der Aussprache bereiten könnte.

dai/dais/dam/dai-System

Dies ist das Deklinationssystem des NoNa-Systems, das von Noah Frank und Jona Moro entwickelt wurde (und wird). Es orientiert sich an der traditionellen Deklination im Neutrum. Das NoNa-System versteht sich als „work in progress“ und wird laufend ergänzt. Es soll als Vorschlag und Inspiration für andere nichtbinäre/genderqueere/agender Personen dienen und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

dai/dais/dam/dai-System
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? dai nette Elter eint nette Elter jede*r
(Aussprache: jed – er)
Wessen? dais netten Elter einter netten Elter jede*s
(Aussprache: jed – es)
Wem? dam netten Elter eintem netten Elter jede*m
(Aussprache: jed – em)
Wen? dai nette Elter eint nette Elter jede*n
(Aussprache: jed – en)

Direkte Anrede: Lieb* Kim

Beispieltext: Für mich war das Outing meinter jüngsten Geschwister Kim ein prägendes Ereignis: Mit 17 Jahren hat sich Kim mir gegenüber als nichtbinär geoutet. Kim ist dai einzige meiner Geschwister, dam ich alles anvertrauen kann. Ich bin sehr froh darüber, dass ich meint Geschwister bei diesem Prozess unterstützen konnte. Am besten wäre es natürlich, wenn es eine Selbstverständlichkeit wäre, dam eigenen Geschwister in einer solchen Situation zu helfen, aber leider kenne ich aus anderen Familien auch Beispiele dafür, dass das nicht immer so läuft.

Vorteile des dai/dais/dam/dai-Systems

  • Die Deklination der Artikel ist im dai/dais/dam/dai-System an die Deklination im Neutrum angelehnt, unterscheidet sich aber klanglich eindeutig von dieser. Dadurch ist dieses System eine eindeutig neutrale Alternative zum Maskulinum und Femininum, und erweckt anders als das Neutrum nicht den Eindruck, dass über eine Sache gesprochen wird.

Nachteile des dai/dais/dam/dai-Systems

  • Die Tatsache, dass für den bestimmten Artikel, den unbestimmten Artikel und die Adjektive jeweils andere Endungen erlernt werden müssen, macht dieses System von der Erlernbarkeit her schwieriger als einige der anderen Vorschläge.
  • Die Tatsache, dass sich die Deklination bei Wörtern wie „jede*r“, „diese*r“, „welche*r“ usw. anders als bei den Artikeln nicht an der Deklination im Neutrum anlehnt, sondern durch Kombination von Maskulinum und Femininum gebildet wird, erweckt den Eindruck, dass dieses System keinen systematischen Ansatz verfolgt, sondern sehr verschiedene Lösungsansätze miteinander vermischt.
  • Der Glottisschlag (die kurze Sprechpause vor einem Vokal) kommt auf Deutsch bisher nicht in grammatikalischen Endungen vor. Da das Gender-Sternchen in Wörtern wie „jede*r“, „diese*r“, „welche*r“, „jede*m“, „diese*m“, „welche*m“ usw. durch einen Glottisschlag ausgesprochen wird, kann dies zu Schwierigkeiten bei der Aussprache führen. Die Tatsache, dass der Glottisschlag auch noch an einer anderen Stelle ausgesprochen wird, als wo das Gendersternchen geschrieben wird, führt zu einer zusätzlichen Schwierigkeit beim Übergang von der Schriftform zur Aussprache.

dier/dier/dier/dier-System

Dies ist das Deklinations-Freie Geschlechtsneutrale Genus, auch DFG-Genus genannt. Es zeichnet sich dadurch aus, dass bei den Artikelwörtern dieselbe Endung „-ier“ in allen grammatikalischen Fällen verwendet wird, so dass keine Deklination gelernt werden muss. Bei den Adjektiven kann jede Person nach dem eigenen Sprachgefühl zwischen den drei Endungen „-e“, „-en“ und „-ier“ auswählen, wobei es unverbindliche Empfehlungen zu der Wahl zwischen diesen drei Endungen gibt, die in der folgenden Tabelle und den Beispielen angewendet werden.

dier/dier/dier/dier-System
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? dier nette Elter einier nette Elter jedier
Wessen? dier netten Elter einier netten Elter jedier
Wem? dier netten Elter einier netten Elter jedier
Wen? dier nette Elter einier nette Elter jedier

Direkte Anrede: Liebier Kim

Beispieltext: Für mich war das Outing meinier jüngsten Geschwister Kim ein prägendes Ereignis: Mit 17 Jahren hat sich Kim mir gegenüber als nichtbinär geoutet. Kim ist dier einzige meiner Geschwister, dier ich alles anvertrauen kann. Ich bin sehr froh darüber, dass ich meinier Geschwister bei diesem Prozess unterstützen konnte. Am besten wäre es natürlich, wenn es eine Selbstverständlichkeit wäre, dier eigenen Geschwister in einer solchen Situation zu helfen, aber leider kenne ich aus anderen Familien auch Beispiele dafür, dass das nicht immer so läuft.

Vorteile des dier/einier/pier-Systems

  • Da keine Deklination für die verschiedenen grammatikalischen Fälle erlernt werden muss, ist das System sehr leicht erlernbar.
  • Die Endung „-ier“ erinnert weder zu sehr an das Maskulinum, noch zu sehr an das Femininum.
  • Zumindest im Vergleich mit den Systemen, die einen Gebrauch des Gendersternchens in Endungen von Artikeln und Adjektiven vorschlagen, ist die Endung „-ier“ relativ leicht auszusprechen.

Nachteile des dier/einier/pier-Systems

  • Dadurch, dass die verschiedenen grammatikalischen Fälle nicht durch verschiedene Endungen unterschieden werden, kann es in einigen Situationen zu Mehrdeutigkeiten kommen. (Andererseits erlaubt es der Kontext meistens, die gemeinte Bedeutung zu verstehen. Die seltenen Situationen, in denen der Satz trotzdem mehrdeutig ist, ergeben sich meistens dadurch, dass der Wer-Fall und der Wen-Fall nicht unterschieden werden. Allerdings wird auch im Femininum, im Neutrum und im Plural (und auch in mehreren anderen Vorschlägen für ein geschlechtsneutrales System) der Wen-Fall nicht vom Wer-Fall unterschieden. Daher wird dieses Problem in diesem System kaum größer als es sowieso schon ist.)
  • Die Verwendung von „-ier“ als unbetonte Endung ist auf Deutsch ungewöhnlich, so dass die Aussprache wahrscheinlich für manche Leute nicht ganz problemlos ist.

dai/dis/dim/dai-System

Dies ist eine Modifikation des NoNa-Systems, die sich auch an der traditionellen Deklination im Neutrum orientiert, und die mit dem Ziel der leichteren Aussprachbarkeit und leichteren Erlernbarkeit entwickelt wurde.

dai/dis/dim/dai-System
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? dai nette Elter eint nette Elter jedai
Wessen? dis netten Elters einis netten Elters jedis
Wem? dim netten Elter einim netten Elter jedim
Wen? dai nette Elter eint nette Elter jedin

Direkte Anrede: Liebai Kim

Beispieltext: Für mich war das Outing meinis jüngsten Geschwisters Kim ein prägendes Ereignis: Mit 17 Jahren hat sich Kim mir gegenüber als nichtbinär geoutet. Kim ist dai einzige meiner Geschwister, dim ich alles anvertrauen kann. Ich bin sehr froh darüber, dass ich meint Geschwister bei diesem Prozess unterstützen konnte. Am besten wäre es natürlich, wenn es eine Selbstverständlichkeit wäre, dim eigenen Geschwister in einer solchen Situation zu helfen, aber leider kenne ich aus anderen Familien auch Beispiele dafür, dass das nicht immer so läuft.

Vorteile des dai/dis/dim/dai-Systems

  • Die Endungen der Artikelwörter und Adjektive sind im dai/dis/dim/dai-System an die Neutrum-Endungen angelehnt, unterscheiden sich aber klanglich eindeutig von diesen. Dadurch ist dieses System eine eindeutige Alternative zum Maskulinum und Femininum, und erweckt anders als das Neutrum nicht den Eindruck, dass üver eine Sache gesprochen wird.
  • Zumindest im Vergleich mit den Systemen, die einen Gebrauch des Gendersternchend in Endungen von Artikeln und Adjektiven vorschlagen, sind die Endungen in diesem System relativ leicht aussprechbar.

Nachteile des dai/dis/dim/dai-Systems

  • Die Tatsache, dass die Genitiv- und Dativ-Endungen im dai/dis/dim/dai-System ähnlich wie im Maskulinum klingen, könnte zu Ablehnung bei einigen Personen führen, insbesondere bei jenen nicht-binären Personen, die auf keinem mit Ausdrücken aus dem Maskulinum bezeichnet werden wollen.
  • Damit sich die Formen „einis“, „einim“, „jedis“ und „jedim“ klanglich eindeutig von „eines“, „einem“, „jedes“ und „jedem“ unterscheiden, müssen sie mit einem geschlossenen i-Laut (also mit einem langen „i“) ausgesprochen werden. Ein solcher i-Laut in einer unbetonten letzten silbe ust allerdings im Deutschen sehr ungewöhnlich, so dass er einigen Leuten Schwierigkeiten bei der Aussprache bereiten könnte.

das/des/dem/das-System

Dies ist der Vorschlag, das Neutrum in unveränderter Form für die geschlechtsneutrale Personenbezeichnung zu verwenden. Die sächliche Bedeutungsebene des Neutrums soll also abgelegt werden, indem das Neutrum vermehrt dafür verwendet wird, um geschlechtsneutral über Personen zu sprechen.

das/des/dem/das-System
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? das nette Elter ein nettes Elter jedes
Wessen? des netten Elters eines netten Elters jedes
Wem? dem netten Elter einem netten Elter jedem
Wen? das nette Elter ein nettes Elter jedes

Direkte Anrede: Liebes Kim

Beispieltext: Für mich war das Outing meines jüngsten Geschwisters Kim ein prägendes Ereignis: Mit 17 Jahren hat sich Kim mir gegenüber als nichtbinär geoutet. Kim ist das einzige meiner Geschwister, dem ich alles anvertrauen kann. Ich bin sehr froh darüber, dass ich mein Geschwister bei diesem Prozess unterstützen konnte. Am besten wäre es natürlich, wenn es eine Selbstverständlichkeit wäre, dem eigenen Geschwister in einer solchen Situation zu helfen, aber leider kenne ich aus anderen Familien auch Beispiele dafür, dass das nicht immer so läuft.

Vorteile des das/des/dem/das-Systems

  • Es müssen keine neuen grammatikalischen Formen gelernt werden, wodurch die Anwendung des Systems sehr leicht erlernbar ist.

Nachteile des das/des/dem/das-Systems

  • Das Neutrum erweckt aufgrund seiner traditionellen Verwendungsweise den Eindruck, dass über eine Sache und nicht eine Person gesprochen wird. Dadurch kann das Neutrum auch abwertend wirken.
  • Im Genitiv und Dativ sind die Formen des Neutrums nicht vom Maskulinum unterscheidbar, so dass beim Sprechen über eine spezifische Person leicht der Eindruck erweckt wird, dass über einen Mann gesprochen wird, und beim Sprechen über eine nicht-spezifische Person leicht der Eindruck geweckt wird, dass das generische Maskulinum praktiziert wird.

die*der/der*des/der*dem/die*den-System

Dies ist der konsequente Gebrauch des Gendersternchens bei allen Wörtern, bei denen sich die maskuline und die feminine Form unterscheiden. Bestimmte Artikel und Pronomen werden dabei immer gedoppelt und die beiden Formen werden durch ein Gendersternchen verbunden werden. In der Aussprache wird nach Möglichkeit an der Stelle des Gendersternchens ein Glottisschlag (also eine ganz kurze Sprechpause) gemacht; bei Endungen von Adjektiven sowie von „ein*e“ und „jede*r“ ist der Glottisschlag an der Stelle des Gendersternchen praktisch nicht aussprechbar, so dass er entweder am Anfang der Endung ausgesprochen wird, oder – falls das nicht zur Verwechslung mit der maskulinen oder femininen Form führen kann – gar nicht ausgesprochen wird.

die*der/der*des/der*dem/die*den-System
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? die*der nette Elter ein*e nette*r Elter
(Aussprache: ein – e nett – er Elter)
jede*r (Aussprache: jed – er)
Wessen? der*des netten Elter einer*s netten Elter
(Aussprache: einers netten Elter)
jeder*s (Aussprache: jed – ers)
Wem? der*dem netten Elter einer*m netten Elter
(Aussprache: einerm netten Elter)
jeder*m (Aussprache: jed – erm)
Wen? die*den nette*n Elter
(Aussprache: die-den nett – en Elter)
eine*n nette*n Elter
(Aussprache: ein – en nett – en Elter)
jede*n (Aussprache: jed – en)

Direkte Anrede: Liebe*r Kim (Aussprache: lieb – er Kim)

Beispieltext: Für mich war das Outing meiner*s jüngsten Geschwister Kim ein prägendes Ereignis: Mit 17 Jahren hat sich Kim mir gegenüber als nichtbinär geoutet. Kim ist die*der einzige meiner Geschwister, der*dem ich alles anvertrauen kann. Ich bin sehr froh darüber, dass ich meine*n Geschwister bei diesem Prozess unterstützen konnte. Am besten wäre es natürlich, wenn es eine Selbstverständlichkeit wäre, der*dem eigenen Geschwister in einer solchen Situation zu helfen, aber leider kenne ich aus anderen Familien auch Beispiele dafür, dass das nicht immer so läuft.

Vorteile des die*der/der*des/der*dem/die*den-Systems

  • Das Gendersternchen ist vielen Leuten schon als Symbol für geschlechtsneutrale Sprache bekannt.
  • In allen Formen, in denen sich das Maskulinum und Femininum voneinander unterscheiden, werden in diesem System die beiden Formen miteinander kombiniert. In der schriftsprachlichen Form wird dabei durch das Gendersternchen zum Ausdruck gebracht, dass es weitere Geschlechtsidentitäten neben männlich und weiblich gibt.
  • Zumindest der schriftliche Gebrauch dieses Systems ist leicht erlernbar, da dafür nur die bereits bekannten maskulinen und femininen Formen miteinander kombiniert werden müssen.

Nachteile des die*der/ein*e/sie*er-Systems

  • Doppelungsformen wie „die*der“ wirken komisch, wenn es um eine einzige Person geht.
  • In Formen wie „die*der“ kann das Gendersternchen gar nicht ausgesprochen werden, so dass diese Formen in der gesprochenen Sprache genauso klingen, wie eine einfache Einanderreihung der femininen und maskulinen Formen, ohne dass dabei erkennbar ist, dass auch die Existenz anderer Geschlechtsidentitäten anerkannt wird.
  • Der Glottisschlag (die kurze Sprechpause vor einem Vokal) kommt auf Deutsch bisher nicht in grammatikalischen Endungen vor. Da das Gender-Sternchen in Wörtern wie „ein*e“, „eine*n“, „jede*r“, „jede*n“ usw. durch einen Glottisschlag ausgesprochen wird, kann dies zu Schwierigkeiten bei der Aussprache führen. Die Tatsache, dass der Glottisschlag bei Wörtern wie „eine*n“, „jede*r“, „jede*n“ usw. auch noch an einer anderen Stelle ausgesprochen wird, als wo das Gendersternchen geschrieben wird, führt zu einer zusätzlichen Schwierigkeit beim Übergang von der Schriftform zur Aussprache.
  • Die starke Häufung von Glottisschlägen in Ausdrücken wie „ein*e strenge*r aber trotzdem nette*r Elter“ (gesprochen: *ein – e streng – er aber trotzdem nett – er Elter*) führt zu einem abgehackten und künstlich wirkenden Klang.
  • Der Genderstern ist eine lediglich symbolische Berücksichtigung von nichtbinärer Geschlechtlichkeit, die diese zwar im Schriftbild effektvoll hervorhebt, die aber aus sprachlicher Sicht über das Symbolhafte nicht hinausreicht (im Vergleich zu einem richtigen Genus).

der*die/des*der/dem*der/den*die-System (vereinfachter Genderstern)

Da die Kombination maskuliner und femininer Varianten mithilfe des Gendersterns teilweise zu unschönen Gebilden führt (bspw. „ein*e nette*r Elter“, „einer*m netten Elter“) wurde der vereinfachte Genderstern entwickelt, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass der Genderstern allgemein zwischen Stammwort und femininer Endung gesetzt wird, wobei die maskuline Variante entfällt (z.B. „ein*e nette Elter“, „ein*er netten Elter“). Bei Doppelwörtern steht die feminine Variante hinter der maskulinen (bspw. „der*die gute Elter“). Der Vorschlag ähnelt stark dem „Generischen Femininum“, hat aber den Vorteil, dass vor allem durch den Genderstern die Geschlechtsneutralität eindeutig hervorgehoben ist.

der*die/des*der/dem*der/den*die-System
Fragepronomen bestimmter Artikel unbestimmter Artikel Universalpronomen
Wer? der*die nette Elter ein*e nette Elter
(Aussprache: ein – e nette Elter)
jed*e (Aussprache: jed – e)
Wessen? des*der netten Elter ein*er netten Elter
(Aussprache: ein – er netten Elter)
jed*er (Aussprache: jed – er)
Wem? dem*der netten Elter ein*er netten Elter
(Aussprache: ein – er netten Elter)
jed*er (Aussprache: jed – er)
Wen? den*die nette Elter ein*e nette Elter
(Aussprache: ein – e nette Elter)
jed*e (Aussprache: jed – e)

Direkte Anrede: Lieb*e Kim (Aussprache: Lieb – e Kim)

Beispieltext: Für mich war das Outing mein*er jüngsten Geschwister Kim ein prägendes Ereignis: Mit 17 Jahren hat sich Kim mir gegenüber als nichtbinär geoutet. Kim ist der*die einzige meiner Geschwister, dem*der ich alles anvertrauen kann. Ich bin sehr froh darüber, dass ich mein*e Geschwister bei diesem Prozess unterstützen konnte. Am besten wäre es natürlich, wenn es eine Selbstverständlichkeit wäre, dem*der eigenen Geschwister in einer solchen Situation zu helfen, aber leider kenne ich aus anderen Familien auch Beispiele dafür, dass das nicht immer so läuft.

Vorteile des der*die/des*der/dem*der/den*die-Systems

  • Allgemein liegt der Vorteil der Verwendung des Gendersterns darin, dass es für die sprachliche Herstellung von Geschlechtsneutralität keinerlei Wortneuschöpfungen bedarf.
  • Auch ist die Genderung mittels Genderstern (seit Neustem auch als Genderdoppelpunkt) bereits recht weit verbreitet.
  • Der Vorteil der vereinfachten Genderung mit Genderstern besteht wiederum darin, dass Ausdrücke wenigstens etwas kompakter werden und vor allem keine grammatischen Verschränkungen (siehe Einleitung) resultieren.
  • Durch die Verwendung bloß femininer Wortendungen lässt sich bei den Adjektiven auf den Genderstern zumindest dort verzichten, wo dem Adjektiv ein Artikel vorausgeht („ein*e gute Schüler*in“), sodass sich Gendersterne und entsprechende Glottisschläge einsparen lassen.
  • In der Aussprache lässt sich der Glottisschlag stets dort platzieren, wo der Genderstern steht (was bspw. bei „jeder*m“ und „jede*r“ nicht oder kaum möglich ist, sehr wohl aber bei „jed*er“ und „jed*e“).
  • Das System ist relativ leicht erlernbar, da für seinen Gebrauch nur die bereits bekannte feminine Form modifiziert bzw. mit der bereits bekannten maskulinen Form kombiniert werden muss.

Nachteile des der*die/des*der/dem*der/den*die-Systems

  • Die Tatsache, dass sich viele Formen dieses Systems sehr viel mehr den femininen als den maskulinen Formen ähneln, könnte zu Ablehnung bei einigen Personen führen, insbesondere bei jenen nicht-binären Personen, die auf keinem Fall mit femininen Ausdrücken bezeichnet werden wollen.
  • Doppelwörter wie „der*die“ unterscheiden sich in der Ausssprache nicht von einer einfachen Einanderreihung der maskulinen und femininen Form, sodass der Einbezug anderer Geschlechtsidentitäten nicht erkennbar ist.
  • Der Genderstern ist eine lediglich symbolische Berücksichtigung von nichtbinärer Geschlechtlichkeit, die diese zwar im Schriftbild effektvoll hervorhebt, die aber aus sprachlicher Sicht über das Symbolhafte nicht hinausreicht (im Vergleich zu einem richtigen Genus).
geschlechtsneutrale_artikelwörter_und_adjektiv-endungen.txt · Zuletzt geändert: 2020/08/15 00:03 von kim